| Wenn die Haut mit der Psyche leidet |
Die Haut ist der Spiegel der Seele – daran ist nach Erfahrungen von Hautärzten viel Wahres. Depressionen und Selbstmordgedanken treten bei Patienten mit Hauterkrankungen häufig auf, vor allem bei Akne. Panikstörungen sind hingegen bei Allergikern weiter verbreitet. Ob allerdings zuerst die Seele erkrankt und dann die Haut oder die quälenden Hautprobleme auf die Psyche schlagen – die Wechselwirkungen sind kompliziert, beides ist möglich.
Fast ein Drittel der Hautarzt-Patienten habe psychosomatische Probleme, sagt Prof. Dr. Uwe Gieler von der Justus-Liebig-Universität Giessen. Hautärzte sollten darum ein wenig Einsicht in die psychosomatische Dermatologie haben, vor allem dahingehend, wann Patienten auf eine Psychotherapie hingewiesen werden sollten oder spezielle Maßnahmen notwendig seien.
Einige Patienten, die einen Hautarzt aufsuchen, leiden auch an einer gestörten Wahrnehmung und Bewertung ihres Körpers. Gefährdet sind vor allem diejenigen, die in punkto ästhetischer Wahrnehmung überempfindlich sind, ein negatives Körperbild haben oder perfektionistische Ansprüche an ihr äußeres Erscheinungsbild stellen. Psychologischer Stress oder ein einschneidendes Ereignis können diese Störung auslösen. Ob der „Defekt“ im Aussehen klein oder sogar nur eingebildet ist, er bereitet den Betroffenen ständig Sorgen.
Während sich die einen Patienten bewusst sind, dass sie dem angeblichen Makel zuviel Gewicht beimessen, es aber nicht ändern können, bleiben die anderen in ihrer Wahnvorstellung gefangen. Ein extremes Beispiel ist die eingebildete Sorge, Parasiten zu haben. Hier kann es sogar so weit gehen, dass der Hautarzt die angeblichen Parasiten erst mit einer lokalen Therapie „bekämpfen“ muss, um überhaupt das Vertrauen seines Patienten zu gewinnen.
Hoffnungslosigkeit, soziale Isolation und geringes Selbstbewusstsein machen Menschen mit einer gestörten Körperwahrnehmung das Leben schwer. Oft stresst es sie noch zusätzlich, dass sie andere nicht davon überzeugen können, wie schwer entstellt sie nach ihrer Meinung sind. In diesem Fall hilft ein speziell ausgebildeter Dermatologe oder eine Spezialklinik, in der Hautärzte und Psychiater Hand in Hand arbeiten.
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